ChroniCare-Newsletter 1. Ausgabe 2026
ChemSex bezeichnet die Einnahme chemischer Substanzen, um den Sex länger und intensiver zu erleben. Diese Substanzen führen zu einem sexuell enthemmenden „High“ und werden daher insbesondere bei Sexpartys in der queeren Szene konsumiert. Häufig verwendete Substanzen sind dabei Crystal Meth, GBL/GHB oder Mephedron.
So reizvoll die stimulierenden Effekte erscheinen mögen, gehen sie jedoch mit gesundheitlichen Risiken einher, die oft nicht ausreichend beachtet werden. Neben einer erhöhten Risikobereitschaft und einem verminderten Schmerzempfinden kann es durch Austrocknung auch zu Verletzungen der Analschleimhaut kommen. Auf die Verwendung von Gleitgel und regelmäßiges Wechseln von Kondomen (mindestens alle 30 Minuten) sollte daher besonders geachtet werden.
Neben diesen unmittelbaren körperlichen Gefahren spielen auch mögliche Wechselwirkungen, insbesondere mit HIV-Medikamenten, eine wichtige Rolle. Da beispielsweise der Abbauweg von GHB im menschlichen Körper noch nicht vollständig geklärt ist, kann es zu Wechselwirkungen zwischen dieser Substanz und Arzneimitteln kommen. Für einen Safer Use von GHB soll daher insbesondere bei gleichzeitiger HIV-Therapie eine niedrige Dosis konsumiert werden. Denn bei gleichzeitiger HIV-Therapie und Einnahme von GHB kann es zu epileptischen Anfällen, verlangsamtem Herzschlag, Atemdepression und Bewusstseinsverlust kommen. Die Gefahr einer Überdosierung ist bei dieser Substanz hoch – insbesondere weil erste Symptome häufig übersehen werden. Anzeichen sind ein schwer störbarer Schlaf und das Verschwinden des Lidreflexes, bis hin zum Koma.
Auch andere beim ChemSex häufig genutzte Substanzen haben spezifische Wirkungen und Risiken, die berücksichtigt werden sollten. Crystal Meth, das meist in Kristallform oder als Pulver konsumiert wird, kann zu gesteigertem Selbstbewusstsein, Euphorie und erhöhter sexueller Lust führen. Die Hauptwirkung hält dabei nur 20–30 Minuten an, die möglichen Langzeitfolgen, wie Schäden der Schleimhäute, Depressionen oder Bluthochdruck jedoch deutlich länger. Besonders problematisch wird der Konsum von Crystal Meth, wenn zusätzlich bestimmte HIV-Medikamente eingenommen werden. Crystal Meth wechselwirkt insbesondere mit einer gebbosterten HIV-Medikation (Wirkstoffe Ritonavir und Cobicistat). Durch die Einnahme eines Boosters wird der Abbau von Crystal Meth gehemmt. Die Folge ist eine verstärkte bzw. verlängerte Wirkung, was zu schwerwiegenden Nebenwirkungen führen kann. Daher soll Crystal Meth unter einer Booster-Therapie möglichst nicht konsumiert werden – und wenn doch, nur stark reduziert.
Ähnliche Risiken bestehen auch bei einer weiteren häufig verwendeten Substanz: Mephedron. Mephedron, häufig als „Meph“ abgekürzt, wird auf Partys meist mit GHB kombiniert oder mehrmals eingenommen, um den Effekt zu erhalten, der aufgrund der kurzen Wirkdauer schnell nachlässt. Auch diese Droge wird durch die gleichzeitige Einnahme von Booster-Medikamenten langsamer abgebaut. Die dadurch verstärkte Wirkung kann zu vermehrten Nebenwirkungen wie Herzrasen, Unruhe und Erbrechen führen. Daher soll auch Mephedron unter Booster-Therapie nicht konsumiert werden – und wenn doch, nur in niedriger Dosierung.
Zusätzlich verursachen chemische Drogen wie Kokain, Amphetamine (Ecstasy, 4-MMC, 3-MMC, Crystal Meth) sowie neuere amphetaminartig wirkende Substanzen wie Mephedron (4-MMC) und Metaphedron (3-MMC) häufig Schlafprobleme. Insbesondere nach längeren Partynächten ist das Bedürfnis nach erholsamem Schlaf jedoch besonders hoch. Infolgedessen wird häufig zu Schlafmedikamenten gegriffen, die allerdings ein hohes Risiko für Abhängigkeit aufweisen. Abstinenz sowohl von Partydrogen als auch von Schlafmedikamenten sorgt in der Regel für eine Normalisierung des Schlafrhythmus und lässt die Schlafprobleme meist wieder verschwinden. Sollten die Probleme weiterhin bestehen, ist es ratsam, sich Hilfe bei einer Ärztin oder einem Arzt zu holen.
Angesichts dieser vielfältigen Risiken ist es wichtig, sich gut zu informieren und bei Unsicherheiten Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Informationen über weitere Substanzen bietet die Deutsche Aidshilfe auf ihrer Website. Dort erhalten Sie auch Beratungsangebote und Unterstützung bei Sorgen über den eigenen Konsum.
Quelle: https://www.aidshilfe-ooe.at/checkit-die-queere-seite/chemsex/
GHB / Liquid Ecstasy: Wirkung, Nebenwirkungen, Safer Use | Drogenportal der Aidshilfe
Wenn der Konsum aus dem Ruder läuft: Beratungs- und Gruppenangebote zu ChemSex - Fachportal Beratung
https://www.hivandmore.de/archiv/2022-4/schlafstoerungen-bei-menschen-mit-hiv.shtml
https://www.msd-gesundheit.de/infektionskrankheiten/hiv/hiv-und-schlafstoerungen/