In den letzten Jahren hat sich das Spektrum der verfügbaren und in Entwicklung befindlichen PrEP-Optionen deutlich erweitert. Neben der etablierten oralen Präexpositionsprophylaxe mit Emtricitabin/Tenofovir sind mittlerweile auch langwirksame Injektionspräparate wie Cabotegravir (Apretude®) und als besonders langwirksame Substanz Lenacapavir (Sunlenca®, Yeytuo®) zugelassen, die sich derzeit jedoch noch nicht auf dem deutschen Markt befinden.
Emtricitabin/Tenofovir ist die am längsten etablierte Form der PrEP. Sie wird in der Regel als tägliche Tablette eingenommen und ist seit vielen Jahren weltweit zugelassen. Für bestimmte Personengruppen ist zudem eine anlassbezogene Einnahme nach dem sogenannten „2-1-1-Schema“ möglich. Zu den Vorteilen zählen die umfangreiche Studien- und Praxiserfahrung, eine hohe Wirksamkeit bei konsequenter Einnahme, die vergleichsweise niedrigen Kosten durch Generika, sowie die Möglichkeit, die Medikation bei Auftreten ausgeprägter Nebenwirkungen kurzfristig abzusetzen. Als Nachteile gelten die Notwendigkeit der täglichen Einnahme, sowie mögliche Nebenwirkungen, insbesondere in Bezug auf die Nierenfunktion und den Magen-Darm-Trakt.
Cabotegravir (Apretude®) ist ein Integrasehemmer, der in den Gesäßmuskel injiziert wird. Nach einer Einleitungsphase erfolgen die Injektionen im Abstand von zwei Monaten. Studien weisen auf eine sehr hohe Wirksamkeit hin, teilweise höher als bei der oralen PrEP. Vorteile sind das Wegfallen der täglichen Tabletteneinnahme, das Ausbleiben negativer Effekte auf die Nierenfunktion und Knochendichte, sowie die Unabhängigkeit vom Mitführen von Tabletten. Demgegenüber stehen die Notwendigkeit regelmäßiger Arztbesuche in kürzeren Zeitabständen, mögliche Schmerzen an der Injektionsstelle, sowie die lange Verweildauer des Wirkstoffs im Körper, die ein rasches Absetzen erschwert. Apretude® ist in der EU zugelassen, die Verhandlungen mit den Krankenkassen laufen jedoch noch.
Lenacapavir (Sunlenca®, Yeytuo®) ist ein neuartiger Kapsid-Inhibitor mit extrem langer Wirkdauer. In Studien wird derzeit eine Injektion unter die Haut alle sechs Monate untersucht. Der Wirkstoff ist bereits zur Behandlung multiresistenter HIV-Infektionen zugelassen, steht jedoch für die PrEP in Deutschland bislang nicht zur Verfügung. Vorteile sind bei diesem Arzneimittel vor allem die sehr seltene Applikation und der vollständige Verzicht auf eine tägliche Tabletteneinnahme. Als Nachteile gelten derzeit die sehr hohen Kosten sowie – ähnlich wie bei der anderen langwirksamen Substanz – die lange Verweildauer im Körper im Falle auftretender Nebenwirkungen.
In der aktuellen Forschung wird derzeit ein Implantat mit dem Wirkstoff Islatravir untersucht. Dabei handelt es sich um einen vielversprechenden, langwirksamen Ansatz zur PrEP oder zur Behandlung von HIV. Der Wirkstoff befindet sich in einem kleinen Implantat, das unter die Haut eingesetzt wird und den Wirkstoff über mehrere Monate, in manchen Fällen sogar bis zu einem Jahr, kontinuierlich abgibt. Studien an Tieren sowie erste klinische Untersuchungen zeigen, dass dadurch eine gleichmäßige und verlässliche Schutzwirkung erreicht werden kann. Das Implantat wird als Alternative zur täglichen Tabletteneinnahme entwickelt, um die Therapietreue zu verbessern und die Wirksamkeit über längere Zeiträume sicherzustellen. Ein wesentlicher Vorteil gegenüber Injektionen besteht darin, dass das Implantat bei Unverträglichkeiten jederzeit wieder entfernt werden kann.
Quellen: Alles Wichtige zur HIV-PrEP 055-008l_S2k_HIV-Praeexpositionsprophylaxe_2024-04_02.pdf Lenacapavir ist nun auch in Europa zur HIV-Prophylaxe PrEP zugelassen | Deutsche Aidshilfe Prüfung in zwei Verfahren | PZ – Pharmazeutische Zeitung HIV-PrEP mit lang wirksamem Mittel Apretude zugelassen Ausgabe 1/2025: Noch länger wirksame ART und PrEP in Sicht
CROI 2021 - Islatravir Implant einmal jährlich