Newsletter

Auf der „Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections“ (CROI 2026, Denver) im Februar wurde ein neues Kombinationspräparat zur HIV-Therapie vorgestellt, welches durch eine nur einmal tägliche Einnahme als einfachere Alternative für Menschen mit HIV dienen soll, die durch bspw. Unverträglichkeiten oder Virusresistenzen auf komplexe Therapieschemata angewiesen sind.

 

Professorin Chloe Orkin erklärte auf der Konferenz, dass auch wenn die meisten mit HIV lebenden Menschen bereits nur eine Tablette täglich einnehmen müssen, dennoch weiterhin viele Menschen komplexen Therapieschemata folgen, um unter der Nachweisgrenze zu bleiben. Dabei handelt es sich oft um ältere Personen, die schon lange diagnostiziert sind und durch eine hohe Tablettenlast, oft auch durch Begleiterkrankungen bedingt, Schwierigkeiten haben ihre Therapie gemäß des Schemas dauerhaft durchzuführen. Gerade in solchen Fällen könnte der neue Ansatz weiterhelfen.

 

Es handelt sich um eine Kombination aus Bictegravir (BIC), bekannt als Bestandteil von Dovato, und Lenacapavir (LEN). Lenacapavir wird bereits als Bestandteil von Kombinationstherapien von multiresistenten HI-Viren als Sunlenca als zweimal jährliche Spritze eingesetzt und als Präexpositionsprophylaxe unter dem Namen Yeztugo/Yeytuo. Die Firma Gilead Sciences beschäftigt sich aktuell mit einer Kombination dieser beiden Wirkstoffe in einer Tablette.

 

Professorin Orkin stellte auf der Konferenz eine Studie zu BIC/LEN vor. Bei dieser wurde die Kombination auf Wirksamkeit und Sicherheit in verschiedenen Patientengruppen getestet, wobei ein Teil die neue Ein-Tabletten-Therapie erhielt und der andere Teil dem komplexen Mehrtabletten-Schema folgte. Dabei konnte festgestellt werden, dass BIC/LEN den ursprünglichen Therapien nicht unterlegen ist. 96% der Teilnehmenden lagen nach 48 Wochen unter der nachweisbaren Viruslast. Zudem kann die Therapie als gut verträglich eingestuft werden, da das Auftreten von Nebenwirkungen ähnlich häufig war, wie bei Mehrtabletten-Therapien, wobei typischerweise etwas mehr Nebenwirkungen beim Medikamentenwechsel auf BIC/LEN am Anfang des Tests auftraten. Zu beachten ist jedoch, dass wenn der Wirkstoff Tenofovir abgesetzt wird, es zu einer Reaktivierung von Hepatitis B kommen kann. Nicht immunen Patienten wird somit von den Forschenden die Hepatitis B-Impfung stark empfohlen. Positiv hingegen hat sich BIC/LEN auf die Blutfett-Werte ausgewirkt. Die BIC/LEN Gruppe hatte sinkende Werte, während diese bei den komplexen Therapien leicht anstiegen. Die umgestellten Patienten gaben außerdem an zufriedener mit der neuen Therapie zu sein.

 

In einer zweiten Studie wurde überprüft, ob sich BIC/LEN als Wechseloption zu Biktarvy eignet. In dieser Studie wurden Patienten, die mit Biktarvy bereits unter der nachzuweisenden Viruslast sind, zufällig entweder auf BIC/LEN umgestellt oder blieben bei der Therapie mit Biktarvy. Nach 48 Wochen war bei beiden Gruppen die Viruslast bei über 90% der Teilnehmenden unter der Nachweisgrenze. Auch das Auftreten von Nebenwirkungen und die Verträglichkeit waren in beiden Gruppen in etwa gleich.

 

Gilead Sciences möchte nun diese Studien bei den Behörden vorlegen, um prüfen zu lassen, ob eine Zulassung von BIC/LEN möglich wäre. Mit einer Zulassung könnte ein weiteres Ein-Tabletten-Schema zur HIV-Therapie zur Verfügung stehen, welches gerade Patienten mit komplexen Therapiesystemen die Therapietreue erleichterten könnte.

 

 Quelle: https://www.aidsmap.com/news/feb-2026/bictegravirlenacapavir-combination-pill-could-be-option-people-taking-complex