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ChroniNews Newsletter

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Liebe Leserinnen und Leser,

in der zweiten Ausgabe des Jahres der ChroniNews, Ihrem exklusiven Newsletter der Birken-Apotheke, halten wir Sie weiterhin mit Neuigkeiten und Informationen rund um die Themen der HIV- und Hepatitis-Therapie auf dem Laufenden.

Beginnen möchten wir dieses mal mit zwei Artikeln zu neuen HIV-Medikamenten, die sich momentan in der Entwicklung befinden.

Zudem berichten wir über die derzeit steigenden HIV-Infektionszahlen in Deutschland und deren Ursachen.

In einem weiteren Artikel beleuchten den sogenannten ,,Gender Gap’‘.

Außerdem geben wir einen Überblick darüber, ob und in welchen Fällen ein Analkrebsscreening sinnvoll ist.

Zu guter Letzt gehen wir auf die Folgen der US-Kürzungen auf die HIV-Medikamentenversorgung für Mütter in Südafrika ein.

Wie üblich möchten wir Sie noch auf die Termine der Kölner Aidshilfe, das Angebot einer professionellen ATHINA-Medikationsanalyse und die Option der Individualverblisterung Ihrer Medikamente durch die Birken Apotheke verweisen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
Ihr ChroniNews-Team der Birken-Apotheke

 


 


Neue Wirkstoffkombinationen ab 2027: Weniger Routine, mehr Freiheit

Die moderne antiretrovirale Therapie (ART) hat das Leben mit HIV grundlegend verändert. Das Ziel bleibt dabei stets dasselbe: Die Viruslast dauerhaft unter die Nachweisgrenze zu senken. Traditionell geschieht dies durch eine Kombination verschiedener Wirkstoffklassen, die das Virus an unterschiedlichen Punkten seiner Vermehrung stoppen.

Von der Dreifach- zur Zweifachtherapie

Dank hochwirksamer Substanzen reicht heute bei vielen Betroffenen bereits eine Kombination aus nur zwei Wirkstoffen aus. Diese „Dual-Therapie“ reduziert die tägliche Medikamentenmenge und kann die langfristige Belastung für den Körper sowie das Nebenwirkungsrisiko senken – bei gewohnt hoher Sicherheit. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass keine Resistenzen gegen die eingesetzten Wirkstoffe vorliegen. Zwei Zweifachtherapien sind derzeit schon auf dem Markt. Weitere Wirkstoffkombinationen sind aber momentan in der Pipeline. Während wir Ihnen in einem separaten Artikel die Kombination aus Bictegravir und Lenacapavir vorstellen, widmen wir uns hier zwei weiteren spannenden Entwicklungen: Die Kombinationen Doravirin + Islatravir und Lenacapavir + Islatravir.

Islatravir: Neuer Wirkstoff mit langer Wirksamkeit

Bei Islatravir handelt es sich um einen neuartigen Wirkstoff aus der Gruppe der nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Translokations-Inhibitoren (NRTTI). In frühen Studienphasen gab es Hinweise auf eine Senkung der weißen Blutkörperchen bei sehr hohen Dosierungen. Die Forschung wurde daraufhin angepasst: In den aktuellen Studien wird eine deutlich geringere Dosis verwendet, die das Immunsystem schont, aber die Viruslast weiterhin zuverlässig unterdrückt. Der Vorteil ist, dass Islatravir extrem lange im Körper aktiv bleibt. Das ermöglicht nicht nur niedrige Dosierungen, sondern eröffnet die Chance auf eine einmal wöchentliche Einnahme. Das könnte den Alltag und die Therapietreue (Adhärenz) für viele Patient:innen deutlich erleichtern. Die Kombination mit dem bewährten Wirkstoff Doravirin befindet sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium des Zulassungsprozesses. Doravirin müsste jedoch täglich eingenommen werden.

Die wöchentliche Tablette: Lenacapavir + Islatravir

Die wohl zukunftsweisendste Entwicklung ist die Kombination von Islatravir mit dem Kapsidinhibitor Lenacapavir. Hierbei könnte die erste wöchentliche Therapie in Tablettenform entstehen. Statt jeden Tag an die Einnahme denken zu müssen, wäre dies nur noch 52-mal im Jahr nötig. Für Menschen, die eine lebenslange Therapie benötigen, bedeutet dies ein großes Stück gewonnene Spontanität und weniger „Krankheits-Präsenz“ im Alltag. In Phase-2-Studien konnten fast 100 % der Teilnehmenden ihre Viruslast stabil unter der Nachweisgrenze halten. Die Verträglichkeit war dabei vergleichbar mit der täglichen Tabletteneinnahme. Diese Option ist besonders interessant für alle, die keine Spritzen (wie bei Vocabria/Rekambys) möchten, aber dennoch die tägliche Routine hinter sich lassen wollen.

Wie geht es weiter?

Aktuell wird die Kombination in großen Phase-3-Studien weltweit (unter anderem am Universitätsspital Zürich) klinisch geprüft. Bis zur endgültigen Marktreife und Zulassung wird es allerdings noch etwas Geduld brauchen: Es wird mit einer Verfügbarkeit ab dem Jahr 2027 oder später gerechnet.

Quellen: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/neue-orale-kombination-zu-hiv-therapie-163105/  Orale HIV-Therapie einmal wöchentlich für bessere Adhärenz  Ausgabe 3/2021: Long Acting 2.0 – Islatravir und Lenacapavir  Langwirksame orale Kombination aus Lenacapavir und Islatravir | MMW - Fortschritte der Medizin | Springer Nature Link  HIV-m3_21_FoBi_CHoffmann.pdf

 

 



HIV und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Dank moderner antiretroviraler Therapie hat sich die Lebenserwartung von Menschen mit HIV in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Dadurch rücken andere Gesundheitsaspekte stärker in den Fokus. Insbesondere Herzkreislauf-Erkrankungen zählen in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen und betreffen Menschen mit HIV heute ähnlich wie die Allgemeinbevölkerung.

Bei HIV-positiven Menschen können mehrere Faktoren zusammenkommen, die das Herz-Kreislauf-System belasten. Zum einen spielt die HIV-Infektion selbst eine Rolle: Chronische Entzündungsprozesse im Körper können die Gefäße schädigen und die Entstehung von Arteriosklerose begünstigen. Zum anderen können bestimmte antiretrovirale Medikamente Stoffwechselveränderungen verursachen, etwa erhöhte Blutfettwerte oder Insulinresistenz. Zu den wichtigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit erhöhtem Risiko bei HIV zählen die koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt und Schlaganfall. Diese entstehen meist durch Ablagerungen in den Blutgefäßen, die den Blutfluss und somit auch die Sauerstoffversorgung des Körpers behindern. Auch Herzmuskel oder Gefäßentzündungen spielen vermehrt eine Rolle.

Neben der Immunschwäche tritt bei der HIV-Infektion nämlich auch eine Überstimulation des Immunsystems auf. Diese Überstimulation lässt sich dadurch erklären, dass bei HIV-Positiven mehr bakterielle Bruchstücke aus dem Darm durch die Darmwand in den Blutkreislauf gelangen können. Dies wird durch Schädigung der Immunzellen in der Darmschleimhaut durch den HI-Virus verursacht. Der Körper reagiert auf die Bakterienbestandteile im Blut mit einer Entzündungsreaktion, welche die Ablagerungen an den Gefäßen befördert. Die antiretrovirale Therapie dämpft diese Entzündungsreaktion und bei erfolgreicher Therapie bilden sich kaum mehr neue HI-Viren. Das Immunsystem kann sich erholen und die Entzündungsreaktionen im Körper nehmen ab, erreichen aber nicht ganz die Werte von HIV-Negativen. Eine erfolgreiche Therapie ist somit essentiell zur Verringerung des Herz-Kreislauf-Risikos.

Betrachtet man die antiretrovirale Therapie in Bezug auf das Herz-Kreislauf-Risiko, ist wichtig zu beachten, dass einige Medikamente selbst ungünstige Wirkungen auch die Blutfettwerte haben können. Insbesondere die Wirkstoffe aus der ersten Generation der Proteasehemmer, wie Viracept oder Norvir, führen häufig zu einem Anstieg der Blutfettwerte. Zusätzlich können Insulinresistenzen oder Vorstufen von Diabetes unter einer Therapie mit Proteaseinhibitoren auftauchen. Auch manche Wirkstoffe aus der Klasse der Nicht-Nukleosidischen-Reverse-Transkriptase-Hemmer können zu solchen Stoffwechseländerungen führen.

Bei der Entwicklung neuer Therapien, werden die Wirkstoffe daher auf ihre Stoffwechseleigenschaften getestet und dies mit Erfolg. Gerade die neusten Wirkstoffe der verschiedenen Klassen scheinen die Cholesterin und andere Blutfettwerte nicht stark zu beeinflussen, und erhöhen somit das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen nicht weiter. Eine regelmäßige Blut-Kontrolle der Cholesterin, Blutzucker und Leberwerte durch Ihren behandelnden Arzt/Ärztin sollte jedoch trotzdem stattfinden.

Ebenso wichtig ist die konsequente Einnahme der HIV-Medikamente. Eine gut eingestellte Therapie reduziert die Viruslast und damit auch entzündliche Prozesse im Körper. Menschen mit HIV können heute ein langes und erfülltes Leben führen. Umso wichtiger ist es, Herz und Gefäße im Blick zu behalten. Mit der richtigen Therapie, regelmäßigen Kontrollen und einem gesunden Lebensstil lässt sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich reduzieren.

 Quelle: https://www.aidshilfe.de/system/files/documents/medinfo_71_Herz-Kreislauf.pdf

 


 


HIV, Schwangerschaft und US- Kürzungen: Gefahr für Mütter in Südafrika

Durch die heutzutage erhältliche HIV-Therapien kann sichergestellt werden, dass Menschen mit HIV gesunde Kinder bekommen können. Durch die Medikamente wird die Viruslast soweit bis unter die Nachweisgrenze gesenkt, dass ist eine Übertragung auf das Kind nahezu ausgeschlossen wird. Auch Schwangerschaft, Geburt und Stillen sind dann meist problemlos möglich. Voraussetzung ist jedoch eine konsequente Behandlung und eine engmaschige medizinische Betreuung.

 

Genau diese Versorgung gerät in Südafrika zunehmend unter Druck. Durch Kürzungen der US-Hilfen im Rahmen des HIV-Programms PEPFAR sind wichtige Strukturen weggebrochen: Personal wurde entlassen, Beratungsangebote gestrichen und Nachverfolgungssysteme eingeschränkt. Besonders betroffen sind schwangere und stillende Frauen.

 

Viele Frauen erfahren erst während der Schwangerschaft von ihrer HIV-Infektion und sind auf schnelle Unterstützung angewiesen. Während die Betreuung vor der Geburt oft noch funktioniert, entstehen danach große Lücken. Gerade in der Stillzeit ist das Übertragungsrisiko erhöht, doch genau dort fehlt häufig die notwendige Begleitung. Psychische Belastungen, Armut und instabile Lebensumstände erschweren zusätzlich die regelmäßige Einnahme der Medikamente.

 

Frühere Programme wie Selbsthilfegruppen oder „Mentor-Mütter“, die Frauen stabilisierten und im Gesundheitssystem hielten, sind vielerorts weggefallen. Gleichzeitig sind Kliniken überlastet, und wichtige Daten oder Patientinnenakten gehen verloren. Dadurch werden besonders gefährdete Frauen oft zu spät erkannt.

 

Dabei gilt weiterhin: Mit einer konsequenten Therapie, regelmäßigen Kontrollen und medizinischer Beratung können HIV-positive Frauen gesunde Kinder bekommen. Auch Stillen ist unter diesen Bedingungen möglich und in Südafrika oft die bessere Option.

 

Fazit: Die medizinischen Möglichkeiten sind vorhanden, doch ohne funktionierende Versorgungssysteme laufen sie ins Leere. Die Kürzungen der US-Hilfen gefährden damit ausgerechnet jene Fortschritte, die in den vergangenen Jahren im Kampf gegen HIV erreicht wurden.

 

Quellen: Besondere Situationen meistern: https://livlife.com/de-de/die-hiv-broschure/besondere-situationen-meistern/?cc=google_cpc_2023-12_de_de_other_na_hivunbranded_plhiv_SEA2024__na__&gad_source=1&gad_campaignid=23370024472&gclid=EAIaIQobChMIjISWlvy1kwMVLVFBAh2UagRnEAAYAiAAEgJkv_D_BwE  Wegfall der US-Hilfen in Südafrika: Mütter mit HIV zahlen den Preis | magazin.hiv: https://magazin.hiv/magazin/wegfall-der-us-hilfen-in-suedafrika-muetter-mit-hiv-zahlen-den-preis/

 

 


 


Analkrebs-Screening: Zwischen Empfehlung und Kritik

Neue Empfehlungen zum Screening auf Analkrebs haben in der Fachwelt eine lebhafte Diskussion ausgelöst. Im Mittelpunkt steht eine Leitlinie der International Anal Neoplasia Society aus dem Jahr 2025, die eine regelmäßige Früherkennung für bestimmte Bevölkerungsgruppen vorsieht. Gleichzeitig äußert der US-Infektiologe Paul Sax deutliche Zweifel daran, ob diese weitreichenden Empfehlungen tatsächlich sinnvoll sind.

 

Die Leitlinie empfiehlt, Menschen mit erhöhtem Risiko regelmäßig zu untersuchen. Dazu zählen insbesondere Männer, die Sex mit Männern haben, sowie trans Frauen ab dem 35. Lebensjahr. Für alle anderen Erwachsenen wird ein Screening ab 45 Jahren vorgeschlagen. Die Untersuchungen sollen alle ein bis zwei Jahre stattfinden. Zunächst wird ein Zellabstrich aus dem Analkanal durchgeführt, ähnlich dem bekannten PAP-Test zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. Wenn dabei Auffälligkeiten festgestellt werden, folgt eine genauere Untersuchung, die sogenannte hochauflösende Anoskopie, bei der der Analkanal mit speziellen Instrumenten genauer betrachtet wird.

 

Grundlage dieser Empfehlungen ist vor allem die ANCHOR-Studie. Diese Untersuchung konnte zeigen, dass die Behandlung bestimmter Krebsvorstufen – sogenannter hochgradiger Zellveränderungen (HSIL) – bei Menschen mit HIV das Risiko, später an Analkrebs zu erkranken, deutlich senkt. Konkret wurde eine Risikoreduktion von etwa 57 Prozent beobachtet. Dieses Ergebnis wird von vielen als wichtiger Fortschritt gewertet.

 

Dennoch mahnt Paul Sax zur Vorsicht bei der Interpretation. Seiner Ansicht nach geht die Leitlinie über das hinaus, was die Studienlage tatsächlich hergibt. Zwar zeige die ANCHOR-Studie, dass die Behandlung von Krebsvorstufen sinnvoll ist, sie liefere jedoch keine klare Antwort darauf, ob ein flächendeckendes Screening überhaupt notwendig oder wirksam ist. Insbesondere sei nicht belegt, dass regelmäßige Untersuchungen die tatsächliche Häufigkeit von Analkrebs insgesamt senken.

 

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die eingesetzten Methoden. Der anal durchgeführte PAP-Abstrich gilt als vergleichsweise unzuverlässig, wenn es darum geht, die relevanten Vorstufen sicher zu erkennen. Gleichzeitig ist die hochauflösende Anoskopie, die bei auffälligen Befunden notwendig wird, nicht überall verfügbar. Dies könnte dazu führen, dass das Gesundheitssystem überlastet wird und Patientinnen und Patienten lange auf weiterführende Untersuchungen warten müssen.

 

Auch die Belastung für die Betroffenen spielt in der Kritik eine Rolle. Wiederholte Untersuchungen, unklare Befunde und mögliche Folgeeingriffe können Stress verursachen – insbesondere dann, wenn der tatsächliche Nutzen des Screenings nicht eindeutig belegt ist. Hinzu kommt, dass auch die empfohlenen Untersuchungsintervalle wissenschaftlich nicht gut abgesichert sind.

 

Vor diesem Hintergrund plädiert Paul Sax für einen individuelleren Ansatz im klinischen Alltag. Statt eines routinemäßigen Screenings für alle Betroffenen sollte zunächst eine ausführliche Aufklärung erfolgen. Dabei sollten Patientinnen und Patienten erfahren, dass Analkrebs bei Menschen mit HIV zwar häufiger vorkommt, aber unklar ist, ob ein Screening das Risiko tatsächlich stärker senkt als keine regelmäßigen Untersuchungen.

 

Auf dieser Basis sollte gemeinsam entschieden werden, ob eine Früherkennung gewünscht ist. Ein solches Gespräch empfiehlt Sax insbesondere ab einem Alter von etwa 50 Jahren, bei zusätzlichen Risikofaktoren wie Rauchen oder einem geschwächten Immunsystem auch früher. Wenn sich Patientinnen oder Patienten für eine Untersuchung entscheiden, hält er es für sinnvoll, möglichst direkt eine genauere Methode wie die hochauflösende Anoskopie einzusetzen, anstatt sich zunächst auf den weniger zuverlässigen Abstrich zu verlassen. Alternativ kann auch ein Test auf humane Papillomviren (HPV) durchgeführt werden. Wiederholungsuntersuchungen sollten dabei eher in größeren Abständen von drei bis fünf Jahren erfolgen und sich am individuellen Risiko orientieren.

 

Insgesamt zeigt die Diskussion, dass es beim Analkrebs-Screening noch viele offene Fragen gibt. Während die Behandlung von Krebsvorstufen nachweislich wirksam ist, bleibt unklar, wie ein sinnvolles und ausgewogenes Früherkennungsprogramm aussehen sollte. Viele Fachleute sprechen sich daher dafür aus, stärker auf Aufklärung und gemeinsame Entscheidungsfindung zu setzen, anstatt auf starre Screening-Vorgaben.

 

Quelle: Ausgabe 4/2025: Kritische Anmerkungen von Paul Sax

 

 


 


Thema: HIV – Eine geschlechtsunspezifische Erkrankung

HIV ist eine der größten und gefährlichsten Viruserkrankungen der Vergangenheit, wie auch der Gegenwart. Häufig wird sie fälschlicherweise vor allem mit dem männlichen Geschlecht oder mit Homosexualität in Verbindung gebracht – eine überholte und unzutreffende Sichtweise. Zwar sind Männer statistisch häufiger betroffen, doch erstreckt sich die Erkrankung grundsätzlich über alle Geschlechter und sexuellen Orientierungen. Dennoch sind Diagnostik, Forschung und Therapieansätze häufig noch stark auf Männer ausgerichtet. Dieses Ungleichgewicht wird als „Gender Gap“ bezeichnet und beschreibt geschlechtsspezifische Unterschiede in Bezug auf Gesundheit, Versorgung und gesellschaftliche Rahmenbedingungen.

 

Obwohl HIV alle Geschlechter betrifft, zeigen sich deutliche Unterschiede hinsichtlich Infektionsrisiken, Diagnosestellung, Behandlung und gesellschaftlicher Wahrnehmung. Epidemiologische Daten verdeutlichen, dass Frauen weltweit etwa die Hälfte aller HIV-Infizierten ausmachen, während ihr Anteil in Europa mit rund 30 % und in Deutschland mit etwa 20 % geringer ist. Diese Zahlen machen deutlich, dass die Verbreitung von HIV stark von sozialen, kulturellen und ökonomischen Faktoren beeinflusst wird. In einigen Regionen, insbesondere in Afrika, sind Frauen sogar überproportional betroffen.

 

Ein zentrales Merkmal dieses Gender Gaps ist die häufig späte Diagnose bei Frauen. In Europa wird etwa die Hälfte der HIV-Infektionen bei ihnen erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt. Besonders betroffen sind Frauen im jungen bis mittleren Alter. Ursachen hierfür sind unter anderem unzureichende Testangebote, mangelnde Aufklärung, sowie gesellschaftliche Tabus im Zusammenhang mit weiblicher Sexualität. Dies führt dazu, dass Frauen oftmals später mit einer Therapie beginnen, was sowohl ihre eigene Gesundheit als auch das Risiko einer Weiterübertragung negativ beeinflusst.

 

Neben strukturellen Defiziten spielen auch soziale Ungleichheiten eine entscheidende Rolle. Frauen sind weltweit häufiger von Armut betroffen und haben oftmals eingeschränkten Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung. Darüber hinaus erhöht geschlechtsspezifische Gewalt das Risiko einer HIV-Infektion erheblich. Diese Zusammenhänge verdeutlichen, dass HIV nicht ausschließlich ein medizinisches, sondern auch ein gesellschaftliches Problem darstellt.

 

Auch in der medizinischen Forschung zeigt sich ein deutlicher Gender Gap. Frauen sind in vielen Studien unterrepräsentiert, wodurch geschlechtsspezifische Unterschiede im Krankheitsverlauf und in der Therapie weniger umfassend erforscht sind. Dabei gibt es Hinweise auf biologische Unterschiede: Frauen zeigen zu Beginn häufig eine stärkere Immunreaktion, während die Erkrankung im weiteren Verlauf schneller fortschreiten kann. Der Mangel an entsprechenden Daten erschwert eine optimale, geschlechtsspezifische Behandlung. Zudem prägt die gesellschaftliche Wahrnehmung die Auseinandersetzung mit HIV maßgeblich. Wie bereits zu Beginn erwähnt, wird die Erkrankung oft mit Männern und Homosexualität assoziiert. Dies hat dazu geführt, dass Frauen sowie andere Geschlechtergruppen in Prävention und Aufklärung teilweise vernachlässigt wurden.

 

Der Gender Gap betrifft jedoch nicht nur Frauen. Auch beispielsweise trans* und nicht-binäre Personen sind häufig besonderen Risiken ausgesetzt und haben gleichzeitig erschwerten Zugang zu medizinischer Versorgung. Dies unterstreicht die Notwendigkeit geschlechtsunspezifischer Ansätze in Prävention, Diagnostik und Therapie.

 

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass HIV zwar alle Geschlechter betrifft, jedoch nicht in gleicher Weise. Unterschiede in biologischen Voraussetzungen, sozialen Lebensbedingungen und medizinischer Versorgung führen zu einem deutlichen Gender Gap. Um diesem entgegenzuwirken, sind gezielte Maßnahmen erforderlich: eine verbesserte Aufklärung, niedrigschwellige Testangebote, eine stärkere Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Aspekte in der Forschung, sowie der Abbau von Stigmatisierung. Nur durch einen ganzheitlichen Ansatz kann HIV wirksam und gerecht für alle Geschlechter bekämpft werden.

 

Quellen: https://magazin.hiv/magazin/hiv-sti-tests-fur-frauen-flinta/ https://daignet.de/die-daig/sektionen/aaws-all-around-women-special/ https://www.who.int/europe/de/news/item/28-11-2019-half-of-all-women-with-hiv-are-diagnosed-late-in-europe https://www.shop-apotheke.com/magazin/hiv/frauen-und-hiv/ https://www.hivandmore.de/archiv/2006-2/HIVandMORE_2006_02_S16_S17_S19.pdf




 


Steigende HIV-Neuinfektionen: Ursachen, Herausforderungen und Handlungsbedarf

Nach Jahren relativer Stabilität verzeichnet Deutschland einen Anstieg der HIV-Neuinfektionen. Diese Entwicklung bereitet Fachleuten zunehmend Sorge, da sie auf strukturelle Defizite und gesellschaftliche Veränderungen hinweist, die die bisherigen Fortschritte in der Eindämmung des Virus gefährden könnten.

 

Ein wesentlicher Grund für den Anstieg liegt im veränderten Risikobewusstsein. Die erheblichen Fortschritte in der medizinischen Behandlung haben dazu geführt, dass HIV heute vielfach nicht mehr als unmittelbar lebensbedrohliche Erkrankung wahrgenommen wird. Moderne Therapien ermöglichen Betroffenen ein weitgehend normales Leben – eine Errungenschaft der Medizin, die jedoch unbeabsichtigt zu einer geringeren Vorsicht im Umgang mit potenziellen Infektionsrisiken führen kann.

 

Parallel dazu bestehen weiterhin deutliche Defizite in der Prävention. Der Zugang zu Testangeboten, individueller Beratung und wirksamen Schutzmaßnahmen ist nicht für alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen gewährleistet. Insbesondere die Nutzung der Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) bleibt hinter den Möglichkeiten zurück. Zudem werden viele Infektionen erst spät diagnostiziert. Diese unentdeckten Fälle tragen dazu bei, dass das Virus unwissentlich weitergegeben wird und Infektionsketten bestehen bleiben.

 

Auch gesellschaftliche Veränderungen beeinflussen die Entwicklung. Migration aus Regionen mit höherer HIV-Prävalenz, sowie eine insgesamt veränderte Bevölkerungsstruktur stellen neue Anforderungen an Präventions- und Aufklärungsstrategien. Gleichzeitig erreichen bestehende Informationsangebote nicht immer alle relevanten Zielgruppen in ausreichendem Maße.

 

Hinzu kommt, dass HIV in der öffentlichen Wahrnehmung an Sichtbarkeit verloren hat. Während frühere Jahrzehnte von intensiven Aufklärungskampagnen geprägt waren, ist das Thema heute weniger präsent. Diese abnehmende Aufmerksamkeit wirkt sich unmittelbar auf das Präventionsverhalten aus und erschwert es, ein dauerhaft hohes Problembewusstsein in der Bevölkerung zu verankern.

 

Expertinnen und Experten sehen daher dringenden Handlungsbedarf. Um den Anstieg der Neuinfektionen zu stoppen, fordern sie eine Intensivierung der Aufklärung, den Ausbau niedrigschwelliger und anonymer Testangebote sowie einen verbesserten Zugang zu Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten. Nur durch ein koordiniertes Zusammenspiel dieser Maßnahmen kann es gelingen, die Ausbreitung von HIV langfristig wieder einzudämmen.

 

Quellen: Warum auch in Deutschland die HIV-Infektionszahlen steigen | tagesschau.de https://www.apotheken-umschau.de/news/gestiegene-hiv-infektionen-experte-erklaert-woran-das-liegt-1441285.html

 

 


 


Neue Wirkstoffkombinationen in der Pipeline

Auf der „Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections“ (CROI 2026, Denver) im Februar wurde ein neues Kombinationspräparat zur HIV-Therapie vorgestellt, welches durch eine nur einmal tägliche Einnahme als einfachere Alternative für Menschen mit HIV dienen soll, die durch bspw. Unverträglichkeiten oder Virusresistenzen auf komplexe Therapieschemata angewiesen sind.

 

Professorin Chloe Orkin erklärte auf der Konferenz, dass auch wenn die meisten mit HIV lebenden Menschen bereits nur eine Tablette täglich einnehmen müssen, dennoch weiterhin viele Menschen komplexen Therapieschemata folgen, um unter der Nachweisgrenze zu bleiben. Dabei handelt es sich oft um ältere Personen, die schon lange diagnostiziert sind und durch eine hohe Tablettenlast, oft auch durch Begleiterkrankungen bedingt, Schwierigkeiten haben ihre Therapie gemäß des Schemas dauerhaft durchzuführen. Gerade in solchen Fällen könnte der neue Ansatz weiterhelfen.

 

Es handelt sich um eine Kombination aus Bictegravir (BIC), bekannt als Bestandteil von Dovato, und Lenacapavir (LEN). Lenacapavir wird bereits als Bestandteil von Kombinationstherapien von multiresistenten HI-Viren als Sunlenca als zweimal jährliche Spritze eingesetzt und als Präexpositionsprophylaxe unter dem Namen Yeztugo/Yeytuo. Die Firma Gilead Sciences beschäftigt sich aktuell mit einer Kombination dieser beiden Wirkstoffe in einer Tablette.

 

Professorin Orkin stellte auf der Konferenz eine Studie zu BIC/LEN vor. Bei dieser wurde die Kombination auf Wirksamkeit und Sicherheit in verschiedenen Patientengruppen getestet, wobei ein Teil die neue Ein-Tabletten-Therapie erhielt und der andere Teil dem komplexen Mehrtabletten-Schema folgte. Dabei konnte festgestellt werden, dass BIC/LEN den ursprünglichen Therapien nicht unterlegen ist. 96% der Teilnehmenden lagen nach 48 Wochen unter der nachweisbaren Viruslast. Zudem kann die Therapie als gut verträglich eingestuft werden, da das Auftreten von Nebenwirkungen ähnlich häufig war, wie bei Mehrtabletten-Therapien, wobei typischerweise etwas mehr Nebenwirkungen beim Medikamentenwechsel auf BIC/LEN am Anfang des Tests auftraten. Zu beachten ist jedoch, dass wenn der Wirkstoff Tenofovir abgesetzt wird, es zu einer Reaktivierung von Hepatitis B kommen kann. Nicht immunen Patienten wird somit von den Forschenden die Hepatitis B-Impfung stark empfohlen. Positiv hingegen hat sich BIC/LEN auf die Blutfett-Werte ausgewirkt. Die BIC/LEN Gruppe hatte sinkende Werte, während diese bei den komplexen Therapien leicht anstiegen. Die umgestellten Patienten gaben außerdem an zufriedener mit der neuen Therapie zu sein.

 

In einer zweiten Studie wurde überprüft, ob sich BIC/LEN als Wechseloption zu Biktarvy eignet. In dieser Studie wurden Patienten, die mit Biktarvy bereits unter der nachzuweisenden Viruslast sind, zufällig entweder auf BIC/LEN umgestellt oder blieben bei der Therapie mit Biktarvy. Nach 48 Wochen war bei beiden Gruppen die Viruslast bei über 90% der Teilnehmenden unter der Nachweisgrenze. Auch das Auftreten von Nebenwirkungen und die Verträglichkeit waren in beiden Gruppen in etwa gleich.

 

Gilead Sciences möchte nun diese Studien bei den Behörden vorlegen, um prüfen zu lassen, ob eine Zulassung von BIC/LEN möglich wäre. Mit einer Zulassung könnte ein weiteres Ein-Tabletten-Schema zur HIV-Therapie zur Verfügung stehen, welches gerade Patienten mit komplexen Therapiesystemen die Therapietreue erleichterten könnte.

 

 Quelle: https://www.aidsmap.com/news/feb-2026/bictegravirlenacapavir-combination-pill-could-be-option-people-taking-complex

 

 


 


Termine der Aidshilfe Köln

Tagesaktuelle Termine der Aidshilfe Köln finden Sie im Internet unter www.aidshilfe-koeln.de | Angebote


 


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Hier gibt es noch mehr Informationen: Verblisterung durch die Birken-Apotheke oder sprechen Sie uns an - wir beraten Sie gerne!


 


Unser Service für Sie

Informationen zum E-Rezept

Seit dem 1. Januar 2024 können Patient*innen das E-Rezept nun auch mit der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) einlösen. Wir sind in der Lage, E-Rezepte einzulösen und mit ihrer Krankenkassen abzurechnen!

 

Diese Umstellung bietet für Sie als Patient*innen einige Vorteile:

  • Das E-Rezept kann per Smartphone über eine sichere E-Rezept-App verwaltet und direkt an uns gesendet werden. So ist sichergestellt, dass zum Abholzeitpunkt Ihr gewünschtes Präparat auch vorrätig ist. Die Gratis-App „Das E-Rezept“ der gematik oder die App von gesund.de ist kostenfrei zum Download im Google Play- oder App-Store erhältlich.

    Weniger Wege in die Arztpraxis: Folgerezepte können ohne erneuten Arztbesuch ausgestellt werden.
  • Sobald Sie uns ein Rezept zuweisen, laden wir das E-Rezept vom zentralen Server der gematik runter, entschlüsseln und liefern es. 
  • Erhöhter Fälschungsschutz. Nur an die gematik-Infrastruktur angeschlossene Arztpraxen können E-Rezepte ausstellen und signieren. Nachträgliche Änderungen sind nicht mehr möglich.


Änderungen, die Sie als Patient*innen betreffen:
Nachträgliche Änderungen sind nicht möglich. Dies betrifft insbesondere den korrekten Zuzahlungsstatus. Achten Sie daher direkt in der Praxis auf die richtige Ausstellung und legen Ihren Befreiungsausweis vor. Anderenfalls benötigen wir ein neues E-Rezept.

 

Hohe Arzneimittelsicherheit:
Durch die Kundenkarte werden alle erhaltenen Arzneimittel gespeichert und auf Ihre gegenseitige Verträglichkeit überprüft. Bei Interaktionen werden wir Sie und Ihren Arzt informieren.

Information zur Wirkungsweise Ihrer Therapie, zu neuen Arzneimitteln oder Studien, gegebenenfalls per Internetrecherche.

Ernährungsberatung durch Ökotrophologen. Termine auf Anfrage.

Beratung zu Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, Enzymen.

Aktuelle Informationsbroschüren.

Birken-Apotheke App

Versandapotheke fliegende-pillen.de

Diskrete Beratung, auf Wunsch Einzelgespräche in unserem Beratungsraum.

Argumentationshilfen und Infos bei Problemen mit den Krankenkassen.

Individual-Verblisterung


Wir sind Gründungsmitglied der DAH2KA e.V.

Die DAH2KA e.V. (Deutsche Arbeitsgemeinschaft HIV- und Hepatitis-kompetenter Apotheken) ist ein überregionaler Zusammenschluss von Apotheken, die einen hohen Standard an Beratung und Versorgung speziell für Patienten mit HIV, Hepatitis und AIDS anbieten. Unser Ziel ist die wohnortnahe, persönliche Beratung, damit Information und Versorgung auf dam aktuellen Stand von Forschung und Therapie für Sie gewährleistet sind. Weitere Informationen unter www.birkenapotheke.de und www.dahka.de.

 

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