Diabetes Newsletter
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2. Quartal 2010
Liebe Leserin, lieber Leser!
Diesen Monat berichten wir über folgende Themen:
- Diabetes-Prävention
- Leptin senkt Blutzuckerspiegel bei Mäusen mit Typ-1-Diabetes
- Einfluss auf den Fettstoffwechsel
- Nutzen und Risiken bei Rosiglitazon abwägen
- Lang wirkende Insulinanaloga
- Diabetes in der Schwangerschaft - Gefahr für das Ungeborene
- Wenn Nerven brennen...
Ihr Team der Birken-Apotheke
Mindestens drei Jahre vor der Manifestation eines Diabetes laufen wichtige Stoffwechselparameter aus dem Ruder. Das bestätigte die Whitehall-II-Studie mit über 6.500 britischen Beamten. Die Staatsdiener wiesen zu Beginn der Untersuchungen keinen Diabetes auf und wurden knapp zehn Jahre lang beobachtet. In dieser Zeitspanne stellte sich bei 505 der Teilnehmer ein Diabetes ein. Bei diesen Probanden stieg der Nüchternblutzucker zunächst linear, drei Jahre vor Ausbruch der Krankheit aber exponentiell an. Parallel verlief die Entwicklung beim Zweistundenwert des oralen Glucosebelastungstests. Die Insulinempfindlichkeit zeigte dementsprechend eine stark fallende Tendenz, und zwar schon während fünf Jahren vor dem manifesten Diabetes. Die Funktion der Betazellen nahm zwischen Jahr vier und drei vor der Diagnose zu, anschließend ging sie zurück. Bei den Studienteilnehmern, die keinen Diabetes entwickelten, zeigten hingegen alle Parameter einen linearen Verlauf. Eine exakte Vorhersage des Ausbruchs eines Typ-2-Diabetes mehrere Jahre vor Beginn wird auch künftig anhand der geprüften Faktoren kaum möglich sein. Als Risikoindikatoren sind sie jedoch ernst zu nehmen.
© Birken Apotheke (Quelle: DAZ)
Leptin senkt Blutzuckerspiegel bei Mäusen mit Typ-1-Diabetes
Nicht nur Insulin, auch das Fetthormon Leptin senkt bei Mäusen mit Typ-1-Diabetes den Blutzuckerspiegel. US-Wissenschaftler zeigten, dass eine Monotherapie mit Leptin der konventionellen Behandlung mit Insulin gleichwertig war. Die diagnostische Bestimmung der HbA1C-Werte zeigte sogar überlegende Ergebnisse. Da sich Leptin positiv auf den Fettstoffwechsel auswirkt und somit möglicherweise das Risiko für koronare Erkrankungen mindert, könnte eine Kombinationstherapie von Insulin mit Leptin bei nicht-übergewichtigen Patienten von Vorteil sein. Patienten mit einem Diabetes mellitus Typ 1 sind möglicherweise bald nicht mehr ausschließlich auf Insulin angewiesen: das Proteohormon Leptin könnte einen Teil der lebenswichtigen Insulininjektionen ersetzen. Zu diesem Ergebnis kommt kommt eine Studie an zuckerkrankten Mäusen. Dazu verabreichten US-amerikanische Wissenschaftler normalgewichtigen Mäusen mit Typ-1-Diabetes mellitus das Fetthormon Leptin, eine Vergleichgruppe erhielt Insulin oder eine Salzlösung. Sowohl Leptin als auch Insulin senkten den Blutzuckerspiegel und den Diabetes-Marker HbA1C, wobei die Ergebnisse bei Verabreichung des Fetthormons noch überzeugender ausfielen.
© Birken Apotheke
Einfluss auf den Fettstoffwechsel
Auch den Körperfettanteil wirkte sich Leptin positiv aus: während die mit Insulin behandelten Mäuse an Gewicht zunahmen, war die Nahrungsaufnahme der mit dem Fetthormon behandelten Mäusen vermindert, wobei gleichzeitig eine Fett- und Gewichtsreduktion beobachtet wurde. Zurückführen ist dies nach Ansicht der Wissenschaftler auf bestimmte Proteine, die für die Bildung von Cholesterol und Körperfett mitverantwortlich sind. Im Vergleich zu den mit Insulin behandelten Mäusen wurden für die Testgruppe deutlich geringere Konzentrationen an diesen Eiweißen gemessen und auch der Anteil an freien Fettsäuren war bei der Gruppe geringer. Allerdings senkte Leptin den Blutzuckerspiegel lediglich bei normalgewichtigen Tieren, bei Mäusen mit Übergewicht konnte dies nicht nachgewiesen werden. Es war bereits bekannt, dass Adipöse oft eine so genannte „Leptin-Resistenz“ haben. In diesem Zustand unterbleibt die physiologische Wirkung des Leptins auf die Zielneuronen. Ein weiterer Einwand gegen eine Leptin-Behandlung stellen die vergleichsweise hohen Kosten einer Leptin-Monotherapie im Vergleich zur Insulinbehandlung dar. Ein realistischer Ansatz zur kostengünstigeren Nutzung der positiven Ergebnisse von Leptin bei normalgewichtigen Typ-1-Diabetikern könnte nach Anfassung der Wissenschaftler eine Kombinationstherapie mit Insulin und Leptin sein. Immerhin blieben die Nebenwirkungen der Insulinbehandlung wie Übergewicht, häufig verbunden mit erhöhten Fett- und Cholesterinwerten, im Tierversuch aus. Diese können auch zu Schäden an Herz und Gefäßen sowie einer Resistenz der Körperzellen gegen Insulin führen. Auch konnte beobachtet werden, dass geringere Mengen an Leptin, die regelmäßig über eine Medikamentenpumpe verabreicht wurden, die gleiche Wirkung erzeugten. Die Forscher kündigten die Durchführung klinischer Studien an, um nachzuweisen, dass eine Leptintherapie (wahrscheinlich in Kombination mit Insulin) bei Typ-1-Diabetikern zu den gleichen positiven Ergebnissen führt wie die Tierversuche.
© Birken Apotheke (Quelle: DAZ)
Nutzen und Risiken bei Rosiglitazon abwägen
In die Diskussion um Nutzen und Risiken des Antidiabetikums Rosiglitazon (Avandia®, Avandamet®, Avaglim®) hat sich jetzt auch die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) eingeschaltet. Hintergrund sind Forderungen in den USA, Rosiglitazon wegen einer erhöhten Kardiotoxizität und damit verbundenen Todesfällen vom Markt zu nehmen. Diese Gefahr kann die DDG aufgrund der vorliegenden Daten nicht erkennen. Sie fordert aber die Ärzte auf, gemeinsam mit den Patienten zu entscheiden, ob der Einsatz von Glitazonen sinnvoll ist. Glitazone sind in Deutschland vor allem dann indiziert, wenn das individuelle Risiko für Nebenwirkungen wie Wassereinlagerungen im Gewebe, Herzschwäche und vermehrte Knochenbrüche bei Frauen gering ist und die Vorteile für Stoffwechsel und Gefäße überwiegen. Glitazone gehören zu den Blutzucker-senkenden Substanzen die nicht zu Unterzuckerung führen, betont die Fachgesellschaft. In diesem Zusammenhang verweist die DDG in einer Pressemitteilung darauf, dass häufige Unterzuckerungen ebenfalls mit einem erhöhten Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko in Verbindung gebracht werden. Anlass fü die erneute Diskussion um Rosiglitazon ist eine Untersuchung des US-Senats. Demnach steht Rosiglitazon unter Verdacht, führ mehrere hundert Todesfälle verantwortlich zu sein. Nach erster Überprüfung der Datenlage sieht die zuständige US-Behörde, die Food and Drug Administration (FDA), jedoch derzeit keinen Anlass, die Zulassung zu beschränken oder aufzuheben. Mit einer endgültigen Entscheidung wird im Juli 2010 gerechnet, wenn die FDA die Daten der RECORD-Studie ausgewertet hat. Diese Studie sollte Fragen zum kardiovaskulären Risiko von Rosiglitazon klären. Ergebnisse sind unter anderem auf der Jahrestagung der American Diabetes Association 2009 vorgestellt worden. Doch diese ergaben kein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte, so Professor Dr. med. Horst-Harald Klein, Vorsitzender des Ausschusses Pharmakotherapie bei Diabetes der DDG. „Uns liegen derzeit keine neueren Daten der Auswertung vor, so dass darüber hinausgehenden Einschätzungen vermutlich vor der Auswertung durch die FSA im Juli 2010 nicht möglich sind.“
© Birken Apotheke (Quelle: DAZ)
G-BA beschließt Verordnungsausschluss für teure Analoga Berlin - Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat heute beschlossen, lang wirkende Insulinanaloga zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 von der Verordnungsfähigkeit auszuschließen. Dies betrifft die beiden Wirkstoffe Insulin Glargin sowie Insulin Detemir. Die beiden Wirkstoffe sollen nicht verordnungsfähig sein, solange sie – unter Berücksichtigung der notwendigen Dosierung zur Erreichung des therapeutischen Zieles – mit Mehrkosten im Vergleich zu Humaninsulin verbunden sind. Dabei sind die der zuständigen Krankenkasse tatsächlich entstehenden Kosten maßgeblich. Diese Regelung gilt allerdings nicht für Insulin Glargin zur Behandlung von Patienten, bei denen im Rahmen einer intensivierten Insulintherapie auch nach individueller Therapiezielüberprüfung und entsprechender Anpassung der Blutzuckersenkung ein hohes Risiko für schwere Hypoglykämien bestehen bleibt. Ausgenommen sind außerdem Patienten, die gegen Humaninsulin allergisch sind. Hintergrund des Verordnungsausschlusses ist eine entsprechende Nutzenbewertung durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), das in seinem Abschlussbericht vom 26. Februar 2009 festgestellt hatte, dass es keinen Beleg für einen Zusatznutzen von Insulin Glargin bzw. Insulin Detemir gegenüber Humaninsulin im Rahmen einer intensivierten Insulintherapie gibt. Dies gelte auch für den Vergleich der beiden Insulinanaloga untereinander. Damit trifft die lang wirkenden Analoginsuline das gleiche Schicksal wie bereits im Sommer 2006 die kurzwirksamen. Bei Letzteren kam es jedoch nach dem entsprechenden G-BA-Beschluss schnell zu Rabattverhandlungen zwischen den Herstellern und Krankenkassen, sodass auf die Analoginsuline eingestellten Patienten vielfach von einer Umstellung verschon blieben. Der vom G-BA gefasste Beschluss zu lang wirkenden Insulinanaloga wird nun dem Bundesgesundheitsministerium vorgelegt. Er tritt nach Nichtbeanstandung und Verkündung im Bundesanzeiger in Kraft.
© Birken Apotheke (Quelle: Kirsten Sucker-Sket / 18.03.2010, 17:10 Uhr)
Diabetes in der Schwangerschaft - Gefahr für das Ungeborene
Bei 5 von 100 Schwangeren entwickelt sich ein so genannter Schwangerschafts- oder Gestationsdiabetes. Unerkannt gefährdet er die Gesundheit oder gar das Leben des Ungeborenen. "Ein erhöhter Zuckergehalt im Blut der Mutter mästet regelrecht das ungeborene Kind", beschreibt Dr. med. Ingrid Helmstädter, Internistin und Diabetologin DDG, das Problem. "Schon aufgrund der Größe des Kindes gibt es häufiger Komplikationen bei der Geburt. Zudem produzieren größere Ungeborene mehr Urin, die Menge an Fruchtwasser nimmt zu, womit das Risiko für eine Frühgeburt wächst", so die Expertin weiter. Sie empfiehlt jeder werdenden Mutter, sich auf Zuckerkrankheit untersuchen zu lassen. Der "Orale Glucosetoleranztest" sollte zwischen der 24. und der 28. Woche durchgeführt werden. Die Kosten von 30 Euro lohnen sich, betrachtet man die Folgen, die ein nicht entdeckter Diabetes haben kann. Lautet die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes, versuchen Arzt und Patientin zunächst, den Blutzucker durch eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung in den Griff zu bekommen. Gelingt das nicht, lernt die Patientin Insulin zu spritzen – bis zum Ende der Schwangerschaft. Nach der Geburt sinken die Blutzuckerwerte meist wieder in normale Bereiche. Doch die junge Mutter kann auch bei der nächsten Schwangerschaft leichter einen Typ-2-Diabetes entwickeln, als eine während der Schwangerschaft gesunde Frau.
© Birken Apotheke (Quelle: ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände)
Schmerzen und Missempfindungen bei diabetischer Neuropathie müssen früher erkannt und behandelt werden. "Als ob mir jemand mit einem brennenden Streichholz über die Haut fährt" - "Wie wenn Nadeln in die Haut stechen" - "Als würden tausende Ameisen übers Bein laufen!" – So beschreiben Patienten mit schmerzhafter diabetischer Polyneuropathie (DPNP) ihr Leiden - meist jedoch nur, wenn der Arzt sie danach fragt. Oft jedoch schweigen die Betroffenen, oder ihr Arzt erkennt die Dringlichkeit des Problems nicht. So wird selbst eine mittelschwere DPNP nur von rund einem Drittel der Ärzte erkannt, weiß Schmerzspezialist Dr. Uwe Kern aus Wiesbaden: "Patienten mit schmerzhafter diabetischer Polyneuropathie klagen über brennende, kribbelnde und stechende Schmerzen an Füßen bzw. Händen und manchmal über Taubheitsgefühle oder Pelzigkeit", bestätigt der niedergelassene Schmerztherapeut. "Viele leiden schmerzbedingt auch unter einem gestörten Nachtschlaf und psychischen Verstimmungen." Die Kombination gegensätzlicher Phänomene wie Taubheit und Überempfindlichkeit ist typisch für Nervenschädigungen. Zudem steigen die Schwellen für die Vibrations- und Temperaturwahrnehmung an. Auch Reflexe wie der Achilles- und Patellarsehnenreflex sind abgeschwächt. Mit über 90 Prozent ist die längenabhängige distal-symmetrisch sensomotorische Polyneuropathie die häufigste Form der diabetischen Neuropathien. Das bedeutet, Sensibiltätsstörungen oder auch Schmerzen beginnen meist an beiden Füßen (oder auch Händen) und nehmen mit der Zeit in Richtung Körpermitte zu. Der Patient sollte nicht leiden, sondern sich mitteilen! Nervenschmerzen unterschiedlicher Ausprägung und Dauer sind eine häufige Folge einer ungenügenden Stoffwechseleinstellung bei Patienten mit Diabetes mellitus. Das Leiden ist häufig, wird aber oft nicht erkannt. Auch weil nicht jede PNP - primär - schmerzhaft ist.
- Bei jedem zweiten bis vierten Diabetiker kommt es irgendwann zu einer diabetischen Polyneuropathie (DPNP).
- Zwischen 16 und 26 Prozent der Diabetespatienten mit DPNP leiden an Schmerzen.
- 13 Prozent dieser Patienten haben ihrem Arzt nie Schmerzen mitgeteilt.
- 39 Prozent wurden nie wegen ihrer Schmerzen behandelt.
Die Schmerzen können die täglichen Aktivitäten beeinträchtigen, den Nachtschlaf stören, die Lebensqualität senken und zum sozialen Rückzug sowie psychischen Verstimmungen führen, weiß Privatdozent Dr. Rolf Malessa vom Zentrum für Multimodale Schmerztherapie des Klinikums Weimar. Um die Auswirkungen der Schmerzen auf den Alltag und die Lebensqualität zu begrenzen, sollte früh therapeutisch eingegriffen werden, fordert der Neurologe. Kausale und symptomatische Behandlung kombinieren Der einzige kausale Ansatz zur Prävention und Therapie der diabetischen Polyneuropathie ist die Verbesserung der Stoffwechseleinstellung, betont Malessa. Das bedeutet, der Blutzucker bzw. sein Langzeit-Indikator, der HbA1c-Wert, müssen normnah eingestellt sein. Als alleinige Maßnahme reiche eine Verbesserung der Blutzuckerkontrolle in aller Regel aber nicht aus, so der Experte. Meist sind medikamentöse und nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Schmerzreduktion unverzichtbar. Unterstützend sollten psychologische Therapieverfahren zur Verbesserung der Schmerzbewältigung eingesetzt werden (vgl. Kapitel Diabetische Nervenschädigung). Neben stark wirkenden Schmerzmitteln wie Opioide werden heute mit gutem Erfolg Wirkstoffe eingesetzt, die aus der Behandlung von Depressionen und Epilepsien bekannt sind. Um diese scheinbar gegensätzlichen Anwendungsgebiete zu erklären, hilft es, sich klar zu machen, dass die Medikamente bestimmte Bereiche im Nervensystem dämpfen, bei denen es zu Übererregung von Nerven gekommen ist. Medizinische Fachgesellschaften empfehlen zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen Wirkstoffe wie Duloxetin, Gabapentin, Pregabalin, Amitriptylin Nortriptylin und Venlafaxin, außerdem die Opioide Tramadol und Oxycodon. Beispielsweise konnte der Wirkstoff Duloxetin in klinischen Studien den Tagesschmerz bei jedem zweiten Patienten um mindestens die Hälfte reduzieren (Plazebo: 28 Prozent), berichtete Malessa. Die Besserung der Schmerzen setzt meist nach wenigen Tagen ein.
© Birken Apotheke (Quellen: Pressegespräch "Therapieziel aktiver Patient – Duloxetin als Analgetikum zur Behandlung der schmerzhaften Polyneuropathie", Deutscher Schmerzkongress 2009, Berlin Pressekonferenz "Schmerzhafte diabetische Polyneuropathie – möglicher Therapievorsprung mit Ariclaim®?" Deutscher Schmerz- und Palliativtag, 2009, Frankfurt DGN 2008, AWMF Nr. 030/114)
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